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Museum

Geschichte und Gegenwart

Die Kunsthalle Mannheim wurde 1907 anlässlich des 300jährigen Stadtjubiläum Mannheims von Hermann Billing erbaut. Schon im Jahr darauf beschloss man, die städtische Kunstsammlung ständig hier unterzubringen und ein Museum einzurichten. Als Direktor für das neue Museum wurde 1909 Fritz Wichert berufen. Neben den Erwerbungen von Malerei kam es unter der Leitung von Wichert auch zu dem Aufbau einer Graphischen Sammlung. 1910 gründete er das "Kunstwissenschaftliche Institut" mit Graphischer Sammlung, Bibliothek und öffentlichem Lesesaal, 1911 den "Freien Bund zur Einbürgerung der bildenden Kunst in Mannheim".

Nach Wicherts Weggang an die Städelschule in Frankfurt übernahm 1923 Gustav Friedrich Hartlaub die Leitung der Kunsthalle. Sein Interesse galt nun vor allem der zeitgenössischen Kunst. Zehn Jahre später, 1933 wurde Hartlaub nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten seines Amtes enthoben. Seine Ankäufe moderner Kunst wurden noch im selben Jahr in der berüchtigten Ausstellung "Kulturbolschewistische Bilder" als "entartet" angeprangert.

In die Amtszeit von Hartlaubs Nachfolger Walter Passarge, der 1936 sein Amt antrat, fiel die "Reinigung der Museen von entarteter Kunst". Bei den beiden Beschlagnahmeaktionen 1937 gingen der Kunsthalle 102 Gemälde, 8 Skulpturen, 491 graphische Arbeiten sowie 59 Mappenwerke verloren, darunter Meisterwerke der Kunst des 20. Jahrhunderts, von denen nur wenige nach 1945 wieder zurückkehrten.

Nach dem Krieg standen für Passarge und seit 1959 für seinen Nachfolger Heinz Fuchs bei Neuerwerbungen zunächst der Ersatz der durch die Beschlagnahmungen verursachten Verluste, gleichzeitig aber auch wieder die zeitgenössische Kunst im Vordergrund. In umfassender Weise wurde nun die Sammlung der Plastik systematisch ausgebaut, so dass der schon lange geplante Erweiterungsbau der Kunsthalle immer essentieller wurde. 1979 wurde er schließlich nach einem Entwurf des Mannheimer Architekten Hans Mitzlaff genehmigt und 1983 fertig gestellt.

Ab 1984 führte Manfred Fath die Konzeption eines kontinuierlichen Ausbaus der Sammlung mit Schwerpunkt auf Skulpturen fort. 1999 konnte dank einer großzügigen Spende der H.W. & J. Hector-Stiftung, erneut eine räumliche Erweiterung realisiert werden: der Ausbau der Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg zu neuen Depot- und Ausstellungsräumen.
In jüngster Zeit wurden Teile des Altbaus, die jahrelang als Büroräume oder Bibliothek gedient hatten, restauriert und der Öffentlichkeit wieder als Ausstellungsräume zugänglich gemacht.

Nach fast 100 Jahren ihres Bestehens realisierte die Kunsthalle Mannheim programmatisch einen konzeptionellen Neuanfang. Im Vordergrund dieses Neuanfangs stand das Ziel, die strenge Trennung zwischen den Kategorien Malerei, Plastik, Grafik, Fotografie, Film und Video aufzulösen. Unter dem Motto "Lebendigmachen des Kunstbesitzes" werden ausgewählte Werke des Mannheimer Museums mit Leihgaben aus internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen zu inhaltlich abgestimmten Werkgruppen verbunden. Es ergeben sich ungewohnte Korrespondenzen und Dialoge über Zeiten, Epochen oder Kulturen hinweg, neue wahrnehmungsästhetische und geistige Freiräume, wie sie in einem traditionellen Museum mit einer auf entwicklungsgeschichtlichen Leitlinien aufgebauten Sammlung so nicht möglich sind.

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